Keuschheitsmärtyrerinnen
Keuschheitsmärtyrerinnen
Keramik und Installation
2026
Die Installation besteht aus sieben Madonnen, inspiriert von den Weihwasserbehältnissen in Madonnenform, wie man sie in Lourdes kaufen kann. Ich habe sie in Keramik abgeformt und bemalt mit kleinen Bienen bemalt. Im Mittelalter galt die Biene als Symbol der Keuschheit. Zugleich lässt sich das quirlige Summen eines Bienenstocks als ein inneres Beben heranwachsender Mädchenkörper denken.
Jede der Madonnenfiguren trägt, wie eine Vase, eine Lilie. Die sieben weißen Lilien verströmen einen schweren, süßen Duft. Dieser Geruch ist mir bis heute unerträglich; er ist untrennbar mit den fundamentalistischen Ferienlagern verbunden, die ich als Kind und Jugendliche besuchte und die dem Thema Keuschheit gewidmet waren. Im Gegensatz zu den riesigen Blütenkelchen wirken die Keramikfiguren geradezu fragil. In diesem Größenverhältnis wird spürbar, welche Last religiöse Moralansprüche wie die Erzählung von Keuschheitsmärtyrerinnen gerade für Mädchen und Frauen bedeuten.
Der Sound, der die Installation begleitet, ist ein unablässiges, kraftvolles Summen: Körper, in denen es lebendig bebt, und die hinausdrängen in die Welt.


